Es war am 11.10.2018 als ich nach fast 2700km und einer fast 30km Schlußetappe erschöpft und mit müden Füßen zum ersten mal in Santiago angekommen bin und dann noch zwei Stunden am Pilgerbüro schlangestehen mußte um meine Pilgerurkunde, die Compostela, zu erhalten.
Jetzt war es wieder ein 11.10. aber 2026 an dem ich nun zum vierten mal, aber diesmal nach nur 679km, in Santiago angekommen bin.
Da es dieses mal von der letzten Unterkunft keine sechs Kilometer bis zur Kathedrale von Santiago waren konnten wir uns noch einen kleinen Umweg über das Gelände des Monte de Gozo erlauben. Das Gelände hat schon eine historische Bedeutung, hier kamen schon die frühen Pilger im Mittelalter an, sie reinigten Geist, Körper und auch ihre Kleidung um dann gesäubert in Santiago die Kathedrale zu besuchen und ihre Compostela in Empfang zu nehmen. Heute gibt es am Hang des Monte de Gozo die größte Pilgerherberge mit fast 1000 Schlafplätzen. Auf diesem Gelände fand im August 1989 der Weltjugendtag unter beisein des Papstes Johannes-Paul II. statt. Hieran erinnern heute noch einige Großkunstwerke und Schaubilder.
Hinein nach Santiago. Erst die nüchtern-moderne Vorstadt, dann werden die Häuser kleiner, die Straßen werden zu Gassen und unvermittelt stehe ich nun zum vierten male zwischen dem nördlichen Seitenschiff der Kathedrale und der kirchlichen Herberge. Schon die Annäherung ist immer wieder und auch jetzt wieder unglaublich emotional, wie auch früher schon habe ich beinahe Tränen in den Augen. Weiter geht es eine Treppe hinab durch einen Torbogen. Hier steht wie immer ein Dudelsackspieler der alte keltische Weisen interpretiert, leider schon seit Jahren auf dem falschen, dem schottischen, anstelle des hierhin gehörenden keltischen Dudelsack.
Hinter dem Torbogen öffnet sich der Vorplatz der Kathedrale und trotz des frühen Vormittages ist dieser schon gut gefüllt mit Ankömmligen aus aller Welt, die unentlich glücklich sind ihr Ziel erreicht zu haben. Allen steht ein strahlen im Gesicht. Zur Zeit müssen sich die Pilger den Platz allerdings mit einem Protestcamp teilen, seit Tagen schon wird hier Gezeltet um auf die Wohnungssituation in den Städten und auch hier in Santiago aufmerksam zu machen, ich berichtete bereits hierüber.
Jetzt muß ich aber keine zwei Stunden mehr schlangestehen. Aufgrund des neuen online Registrierungssystemes des Pilgerbüros erhalte ich meine Pilgerurkunde und auch den Streckennachweis (679km binnen vier Wochen ab Bilbao) in nur wenigen Minuten, direkt aus dem Drucker. Meine erste Pilgerurkunde von 2018 war noch ein Vordruck der dann handschriftlich und in Schönschrift ergänzt wurde.
Wieder konnte ich viele Menschen kennen lernen in diesen vier Wochen auf dem Weg von Bilbao bis Santiago, Menschen von allen Erdteilen dieser Welt. Mit manchen war es nur ein kurzes Gespräch, mit anderen ging man ein Stück des Weges gemeinsam, mit einigen verbrachte man Abende und ging einige Tage gemeinsam bis zu einem Abschied. So muß ich mich heute auch von meiner letzten, übrig gebliebenen Peregrina verabschieden die am Mittwoch ihre Heimreise antritt.
Egal wie kurz der Kontakt war, so war er oft sehr intensiv und allen Kontakte, allen Begleitern war eines gemeinsam, alle waren extrem weltoffene Menschen.
Mit meinem Schlußbericht, vermutlich erst nach meiner Heimkehr, werde ich noch über einige besondere Begegnungen schreiben.
Für mich ist der Weg noch nicht zu Ende, es stehen noch vier Wandertage an, 89,5km bis zum Kap Fenisterre, dem „Ende der Welt“, glaubten zumindest die alten Römer und noch viele Generationen nach ihnen.

