Endlich vortragsfertig, mit Bildern-, Ton-, Texten- und als Powerpoint-Präsentation!

Es bedurfte einige Zeit bis ich mich nach diesem komplett anderen Leben wieder zu Hause eingefunden, den Weg in das normale Leben wiedergefunden hatte.

Genau heute vor vier Monaten bin ich von meinem Camino zurückgekehrt und ich kann sagen: Mir hat der Camino in jeglicher Hinsicht geholfen. Ich zehre noch heute von diesem wunderbaren Erlebnis.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied ob man in zwei- oder drei wöchigen Etappen geht, oder ein ganzes Teilstück wie zum Beispiel Saint Jean – Santiago binnen 4 – 5 Wochen, oder wie ich drei Monate und 10 Tage lang über die gesamte Strecke von fast 2800km vom Rheinland bis in den westlichsten Zipfel Europas unterwegs war.

Inzwischen habe ich meine Fotos bearbeitet, datiert und kommentiert. Von ca. 1700 Bildern sind jetzt noch 756 übergeblieben. Aus sicherheitsgründen hatte ich „zweigleisig“ fotografiert, einerseits mit meiner Digitalkamera, andererseits mit meinem Smartphone. Einige dieser Bilder fanden gemeinsam mit anderen Bild-, Text- und Tondokumenten in meiner jetzt endlich fertiggestellten Powerpoint-Präsentation Verwendung.

Für Vorträge zum Thema Jakobsweg, Vorbereitung auf den Camino, Jahreszeiten, Ausrüstung, Unterkünfte, die Besonderheiten des Weges in Deutschland, Frankreich und Spanien stehe ich gerne zur Verfügung.

Anfragen per Mail unter: Lord-Jim@online.de

Vortragsdauer der Powerpoint Präsentation ca. 60min. ggf. zuzüglich Zeit für Fragen/Antworten/Diskussion. Örtliche Voraussetzung: Beamer, Leinwand und je nach Raumgrösse eine Verstärkeranlage. DerVortrag ist für nicht gewerbliche Veranstaltungen honorarfrei, ich bitte jedoch ggf. um Erstattung von anfallenden Auslagen/Reisekosten.

Nach dem Camino ist vor dem Camino

Ich bin nun seit vier Wochen wieder in Ratingen, aber ich habe immer noch nicht das Gefühl ich bin zu Hause angekommen.

Gestern habe ich mir neue Wanderschuhe gekauft. Meine alten Wanderschuhe sind im wahrsten Sinne des Wortes „durch“, besonders der Linke. Aber was will man nach fast 4800km, rund zweitausend Trainingskilometer und ca. 2800km von Ratingen bis zum Kap Finisterre, auch erwarten.  Auch habe ich Gestern einen deutschsprachigen Führer gefunden der den Camino Portugues ab Lissabon inclusive eines kleinen Umweges über Fatima beschreibt.

Ich glaube der Camino kann „Süchtig“ machen. Vor allem wenn man wie ich den Camino über fast 100 Tage und fast 2800km und die Landschaften vom Rheinland bis Spanien, die vielen weltoffenen Menschen aus allen fünf Erdteilen und vor allem den Spirit des Caminos erlebt hat.

Mal sehen, wenn alles gut geht werde ich diesen Weg in 2021 in Angriff nehmen…

Neu und alt, gerüstet für den nächsten Camino

Der Abschluss meines Camino, sachlicher Teil

Der emotionale Abschluss folgt noch, ist aber geistig noch nicht vollendet oder verarbeitet, ich glaube, ich bin emotional noch nicht wieder zu Hause angekommen

Mein Jakobsweg „technische Daten“

10.Juli 2018 – 19.Oktober 2018                                          102Tage

Ratingen – Köln

Di 10.07 – Mi 11.07             2 Tage             58km                 29km/Tg

Köln – Trier

Do 12.07 – Do 19.07           8 Tage           238,1km            29,75km/Tg

Trier – Le Puy

Fr 20.07 – Sa 18.08           30 Tage          837,2km            25,12km/Tg

Le Puy – St Jean PdP

So 19.08 – Do 13.09          26 Tage           753,7km            29km/Tg

St Jean PdP

Fr 14.09                               1 Tag             Ruhetag

St Jean PdP – Santiago

Sa 15.09 – Do 11.10           27 Tage           805km             29,81km/Tg

Santiago

Fr 12.10                              1 Tag              Ruhetag

Santiago – Kap Finisterre

Sa 13.10 – Di 16.10            4 Tage             89,5km          22,25km/Tg

Fisterra – Santiago

Mi 17.10                              1 Tag             Rückfahrt

Santiago – Ratingen

Do 18.10 – Fr 19.10             2 Tage            Rückreise per Fernbus

Ratingen – Kap Finisterre

97 Wandertage                 2781,5km      28,68km/Tg

Mein Weg, als Exceldatei

So eine lange Abwesenheitvon zuhause bedarf natürlich auch eine gewisse Unterstützung, insbesondere wenn man, so wie ich, alleine ist.

Daher gilt mein ganz besonderer Dank:

Brigitte, die meine Webseite mit betreut hat, da ich von unterwegs mittels Smartphone nicht alle Funktionen dieser Seite steuern konnte.

Udo, der regelmässig nach meiner Post geschaut und auch sonst nach dem Rechten gesehen hat.

meinen Nachbarn, die mein Haus im Auge behalten haben und den Wildwuchs in meinem Garten toleriert haben.

Kap Finisterre, das Ende der Welt, angekommen. Abends zum Sonnenuntergang am Kap

Sonnenuntergang über dem Atlantik

Es war ein ergreifender Abend, ich habe jetzt noch Tränen in den Augen.
Ich habe mich schon am frühen Abend auf den Weg gemacht, es sind schliesslich noch fast drei Kilometer vom Ort bis zum Kap, bis „Finisterre Lighthouse“ dem Leuchtturm am Ende der Welt.
Ich habe mir einen schönen Felsen unter dem Leuchtturm ausgesucht und mein „Lager aufgeschlagen“ und wie erwartet, habe ich einige „Begleiter“ auf dem Weg wiedergetroffen und noch einige neue Menschen kennengelernt.
Alle, die hier auf den Sonnenuntergang warteten, haben wie auch ich, ihren persönlichen Abschluss, ihr persönliches Ende ihres Camino gefunden.

Wie auch ich, werden die Meisten in den nächsten Tagen in ihre Heimat zurückkehren und ihr neues Leben beginnen oder ihr altes Leben fortsetzen.
Eine junge Irin begann ganz spontan, ein altes irisches Volkslied zu singen. Alle hörten still zu.
Morgen geht es zurück nach Santiago, übermorgen geht es zurück nach Hause.
Es war ein unglaubliches Erlebnis, die Stille und Einsamkeit der ersten sechs Wochen, das quirlige Leben von Le Puy bis Saint Jean, die vielen Menschen aus aller Welt, die ich dann auf dem letzten Teil in Spanien kennengelernt habe. So etwas glaube ich, kann man nur auf dem Camino erleben.
Ich traf Menschen aus Kanada, den USA, Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Argentinien und Brasilien.Traf Menschen aus Australien und Neuseeland, aus Südafrika, Japan, China, Taiwan und Südkorea. Menschen aus Russland, Polen, Tschechien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Holland, Belgien und Spanien, Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark. Wo, außer auf dem Camino, ist so etwas und in so relativ kurzer Zeit möglich?
Ich bin so dankbar für das Erlebte, die Begegnungen mit diesen so weltoffenen Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen, ich werde mein Leben lang davon zehren.

Angekommen in Fisterra, dem Ort vor dem Ende der Welt, nachmittags

Kurz nach meinem Bericht vom Vormittag machte ich mich auf den Rest des Weges nach Fisterra, hier gibt es jede Menge Unterkünfte, von hier aus werde ich mich am späten Nachmittag auf den Weg zum Kap Finisterra machen, ausgerüstet mit einer Zigarre, einer Flasche Rotwein, einem Brot und etwas Wurst oder Käse und werde dann unter dem Leuchtturm das Ende meines Weges zelebrieren.

Ich habe doch noch was zum Verbrennen gefunden. Meine guten Wandersocken, sie sind doch etwas sehr aus der Form geraten vom vielen Waschen, sie sitzen nicht mehr richtig und das birgt die Gefahr des Blasenlaufens.

Als ich kurz vor Mittag in Fisterra ankam stand am Ortseingang gerade ein Team des slowenischen Fernsehens. Man war geradezu begeistert auf so einen „Langstreckenpilger“ wie mich zu treffen, so musste ich tatsächlich ein längeres Interview für einen Fernsehbericht über den Jakobsweg geben.

…fünf Kilometer vor dem Ende der Welt, letzter Tag auf dem Camino, vormittags

Die Bucht hinter dem Kap von Finisterre, immer noch ein wenig Nebel am späten Vormittag

Schon vor Santiago kam eine Melancholie auf, das Bewusstsein, dass der Weg bald ein Ende haben würde.
Heute, ein paar Tage später und kurz vor Fisterra, ist das Gefühl wieder da. Nur viel, viel stärker.

Ich sitze in einer kleinen Strandbar, kurz vor dem Ort und traue mich fast nicht weiter zu gehen. Weitergehen heißt den Ort zu erreichen, der so lange mein Ziel war, aber auch das Ende des Caminos zu erreichen.
Von hier aus gibt es kein Weiter mehr, nur noch ein Zurück in ein altes oder doch in ein neues Leben.
Mal sehen, was ich heute Abend beim Sonnenuntergang am Leuchtturm über dem Kap denke, mit einem Rotwein und einer Havanna.
Mal sehen, ob ich hier noch jemanden treffe, der mir schon zuvor auf dem Camino begegnet ist.
Ich werde heute Abend noch etwas schreiben.

Angekommen in Santiago

Angekommenin Santiago, Donnertag den 11.10.2018 kurz nach Mittag

Gestern, am Donnerstag, 11.10.2018 bin ich nach 94Tagen und rund 2692km auf dem Camino in Santiago angekommen. Eigentlich wollte ich erst heute am Freitag ankommen, aber ich war so aufgeregt und neugierig, dass ich in den letzten Tagen meine Etappenlängen mehr und mehr vergrößert habe.
Am Pilgerbüro in Santiago musste ich dann mit meinen müden Füßen noch 1 1/2 Stunden in der Schlange stehen, bis ich meine Urkunden bekam.
Selbst hier im Pilgerbüro staunte die Mitarbeiterin nicht schlecht, als ich ihr meinen Stapel Pilgerpässe präsentierte.

Meine Pilgerurkunde

Meine Urkunde die mir bestätigt das ich den Camino von Ratingen bis Santiago zufuss zurückgelegt habe, 2692 km.

Heute werde ich meine Rückreise organisieren und mich dann den Rest des Tages im Bereich der Kathedrale herumtreiben und hoffen, dass ich dort noch einige der Menschen wiedersehe, die ich in der letzten Zeit auf dem Camino kennenlernen durfte.

Keine 100km mehr bis Santiago

Die Tage hatte ich schon zu einer aufkommenden, freudigen Euphorie geschrieben, die sich bei mir bemerkbar macht. Jetzt, je näher es auf Santiago zugeht, mischt sich aber auch eine gewisse Melancholie mit der Euphorie. Es war so ein wunderbares Erlebnis den Sommer zu erleben, die Reifezeit der Wildfrüchte am Wegesrand, die riesigen Weinfelder in Burgund und im Riojagebiet, die wilde Landschaft im französischen Zentralmassiv mit der Aubracregion, die Überquerung der Pyrenäen. Auch die vielen interessanten Menschen, die mich ein Stück des Weges begleitet haben, oder, die ich ein Stück begleiten durfte.

Den 100kmStein habe ich nicht fotografiert, die Warteschlange war einfach zu lang

Als ich heute kurz nach Mittag den Kilometerstein 100,000km passierte, hatte ich Tränen in den Augen.

Seit der galicischen Grenze gibt es Kilometersteine entlang des Jakobsweges, hier wird die verbleibende Entfernung zur Kathedrale von Santiago auf drei Stellen hinter dem Komma angegeben.
Ich denke, dass ich Santiago am kommenden Freitag, spätestens gegen Mittag erreiche.

Es ist Herbst geworden in Galicien

Normalerweise bin ich bisher am Morgen immer schon mit aufgekrempelten Hemdsärmeln gestartet. Vorgestern Morgen habe ich die Ärmel das erste Mal seit rund drei Monaten unten gelassen. Ich habe sie auch den ganzen Tag nicht hoch gemacht, es wurde immer frischer, feuchter und der Nebel immer dichter. Als es am Abend zum Essen ging, wusste ich auch wozu ich seit dem Aufbruch meinen Wellensteinparker mit mir schleppe. Am gestrigen Morgen kam er gleich wieder zum Einsatz. Bis weit hinter dem Pass von Alto do Poio habe ich ihn getragen, bis zum frühen Nachmittag ging es durch dichten Nebel.

O Cebreiro, auf dem Weg zur Pilgerandacht, es ist Herbst geworden in Galicien

Aber ich war ja schon Tage zuvor gewarnt worden, Paloma aus Madrid hatte schon erzählt, dass es für diese Jahreszeit viel zu warm und trocken sei. Es sei jedoch mit einem Wetterumschwung zu rechnen. Dieser ist jetzt mit Macht eingetreten.
Auf dem Jakobsweg ist es in den Höhenlagen arg rutschig geworden, es sind nicht nur Jakobspilger unterwegs, die Bauern holen das Vieh von den Bergweiden und entsprechend sehen die Wege aus. Rutschgefahr!

Auf der Zielgeraden (Teil 2, emotional)

Wenn ich Ende der nächsten Woche Santiago erreiche, bin ich etwa 95 Tage zu Fuss auf dem Camino gewesen, 95 Tage vom Rheinland nach Galicien in Nord-Westspanien.
Ich hatte zu Anfang meines Blogs im Juni/Juli über meine Pilgerfreundin Martina berichtet, sie ist im Sommer den Camino Portugies gegangen, rund 280km von Porto nach Santiago.
Sie berichtete mir von einer Euphorie, die sie schon vor Santiago befiel und die noch Tage nach ihrer Rückkehr anhielt. Änliches beginne ich schon jetzt zu spüren, gut eine Woche vor dem Ziel, es ist eine merkwürdige Vorfreude.
Diese Vorfreude paart sich aber auch mit Wehmut, denn ich werde wohl niemals mehr so wunderbare Begegnungen mit Menschen aus aller Welt haben, wie ich sie hier in den letzten Wochen hatte.
Andererseits kann ich sagen, diese Wochen haben mir gut getan, die ersten sechs Wochen vor Le Puy in denen ich sehr alleine war und meinen Gedanken nach gehen konnte. Diese abwechslungsreichen Wochen zwischen Le Puy und Saint Jean Pied de Port, bezogen auf Landschaft und auf meine Bekanntschaften, aber ganz besonders über diese wunderbaren Wochen in Spanien mit den Menschen aus aller Welt die ich hier treffen und kennenlernen konnte
Ich konnte mir Gedanken machen über meine Vergangenheit, die Gegenwart auf dem Jakobsweg wie auch über meine Zukunft, wenn diese auch begrenzt ist, denn den größten Teil meines Lebens habe ich sicher schon gelebt.