Wieder zu Hause

Natürlich freut man sich wieder zu Hause zu sein.

Meinen diesjährigen Weg will ich mit zwei Begriffen beschreiben, es war ein wunderbarer Weg mit wunderbaren Erlebnissen, aber dieser Camino Primitivo ist kein Weg für alte Männer!

Ich bin in Bilbao auf dem Camino de la Costa, dem Küstenweg, gestartet, die Etappe von Irun bis Bilbao von ungefär 160 Kilometer habe ich bewußt ausgelassen da auch diese sehr anspruchvoll ist und mir bereits von meinem Camino 2024 bekannt war.

Von Bilbao bis Villaviscosa war mir der Weg schon bekannt, für mich wa es der Zubringer zum Camino Primitivo. In Villaviscosa habe ich den Camino de la Costa verlassen und habe mich in zwei Tagesetappen nach Oviedo begeben, hier beginnt de eigentliche Camino Primitivo. Dieser Weg war mein eigendliches vorhaben.

Von Oviedo führte mich der Weg durch eine wunderbare , naturbelassene Landschaft bis nach Melide wo der Camino Primitivo auf den Camino Frances trifft, dann waren es nur noch ein kurze Wegstricke bis nach Santiago.Bis hierhin waren es 679Kilometer. Dazu kamen dann die 89,5Kilometer bis zum „Ende der Welt“, bis zum Kap Formentor.

Wenn ich schreibe dieser Camino Primitivo ist kein Weg für alte Männer, dann meine ich die anspruchsvolle Wegfürung durch die nordspanische Bergwelt. Mir sind auf dieser Strecke nur zwei Jakobspilger begegnet, beides waren Asiaten, in meiner Altersklasse, alle anderen waren nicht etws, sondern wesendlich jünger.

In den nächsten Tagen werde ich zu diesem, meinen Camino noch zwei Berichte verfssen, einen rein sachlichn zur Vorbereitung und Durchführung des Weges und einen emotinalen zu meinen Erlebnissen und vor allen dingen meinen Begegnungen mit Menschen aus allen Erdteilen dieser Welt

 

 

Abschied vom Camino

Gestern habe ich noch einen Tag in Santiago verbringen können. Natürlich auch wieder einige der Wegbegleiter der letzten Tage wiedergesehen.

Glückgehabt, wegen der großen Zahl der Jakobspilger die bis zum Ende der Welt weiter gewandert sind wurde von Fisterra bis Santiago ein Schnellbus eingesetzt, der benötigte nur etwas über eine Stunde für diese Strecke von Fisterra zurück nach Santiago, der normale Überlandbus fährt über die Dörfer und benötigt 3 1/2 Stunden. Zufuß nach Fisterra haben wir vier Tage für die knapp 90km vonSantiago nach Fsterra benötigt.

Jetzt sitze ich in Santiago am Busbahnhof und warte auf meinen Flixbus der von Porto in Portugal kommt und dann weiter bis Paris fährt. Ab Paris gibt es dann einen Bus nach Warschau, und der fährt über Düsseldorf. Das heißt ungefähr dreißig Stunden den Hintern plattsitzen. Aber nach der Ruhe des Weges könnte ich auch jetzt wieder nicht die Hecktik eines Flughafens ertragen.

Am Abend „Am Ende der Welt“

Trotz der späten Jahreszeit und des wolkenverhangenen Himmels wurde es wieder voll da obem am Leuchtturm.

Ich hatte mich schon kurz nach 17.00 Uhr auf den Weg gemacht, denn es sind vom Ort aus noch etwas über drei Kilometer zu Fuß bergauf, also rund eine dreiviertel Stunde bis zum Kap. Ausgerüstet mit einem kleinen Picnik, Brot, Käse, Wein

Der Wolken wegen gab es nicht den klassischen Sonnenuntergang der hier sonst so unbeschreiblich ist. Aber pünklich zum Sonnenuntergang kurz nach 19.00Uhr riß der Himmel über dem westlichen Horizont auf und es konnten Sonnenuntergangsfoto mit Sonne auf dem Horizont mit darüberligenden dramatischen Wolkenformationen gemacht werden.

Wie schon beschrieben herrscht dort am Abend immer eine eigenartige Stimmung, irgendwie zwischen Abschiedsmelankoli, das warten auf den Sonnenuntergang,  aber auch die Lust auf irgend einen neuen Aufbruch. Das Leben geht weiter! ULTREA!

Die letzten drei Kilometer

Das Ende des Weges, oder auch das „Ende der Welt“, das glaubten zumindest die alten Römer, ist der Felsen am ende der Halbinsel, das Kap Formentor. Hier befindet sich einer der ältesten noch aktiven Leuchttürme der Welt, „Fisterra Lighthouse“ erbaut 1853. Segler und andere Menschen mit einem gewissen hang zum Maritimen kennen vielleicht die schon seit den 1930ger Jahren und immer wieder aktualisierte und kolportierte Geschichte in der ein Amerikanischer Flugzeugträger den Leuchtturm zum ausweichen aufforderte.

Unterhalb dieses Leuchtturmes treffen sich am Abend zum Sonnenuntergang, der soll heute 19.07Uhr sein, viele Menschen um Abschied von diesem Weg zu nehmen. Abschied von den Erlebnissen und den Begegnungen dieses Weges. Für manche ist es ein Abschied für immer, ich werde mich heute schon zum vierten mal von diesem Weg verabschieden.

Abschied vom Camino

Meine letzte Etappe bis Fisterra mißt nur diese 13km, aber heute lasse ich mir Zeit, unendlich viel Zeit. Gerade mache ich auf dieser kurzen Etappe bereits meine dritte Pause, ich will eigendlich das dieser Weg nicht endet. Nicht nur mir geht es so, auch vielen anderen die mit mir in Fisterra ankommen.

Bei der Ankunft in Santiago war es anders, auch dort war eine gewisse Melankolie dabei, doch auf dem Platz vor der Kathedrale sieht man nur in strahlende Augen und glückliche Gesichter.

Hier ist es irgendwie anders, auch wenn der Abend oben auf dem Felsen eine gewisse Mystic hat, besonders bei einem Sonnenuntergang bei klarem Wetter, vielen ist eben doch eine Melankolie ins Gesicht geschrieben….

Eigendlich ist für heute Regenwetter und Wind prognostiziert, im Augenblick sitze ich aber bei strahlendem Sonnenschein, kurz vor Fisterra in einer Strandbar.

Hier im Nordwesten Spaniens gibt es eine Besonderheit, es gibt viele Eukalyptuswälder, Eukalyptus gehört eigendlich nicht nach Europa, Seefahrer haben ihn vor Jahrhunderten aus Australien mitgebracht, heutzutage ist man garnicht mehr so glücklich über diese inversive Art, diese großflächigen Anpflanzungen. Interessant sind aber die Wälder in denen sich Eukalyptus und die heimische Kiefer mischen, dort liegt ein unglaublich intensives Duftaroma in der Luft das sich kaum beschreiben läst, aber einen sofort pfasziniert. 

Wer sich über den letzten Bergrücken der Bucht von Fisterra nähert kommt durch einen solchen Wald, es öffnet sich der Blick auf den Atlantik, zum eben beschriebenen Duftaroma kommt jetzt das Geräusch der auflaufenden Brandung direkt unterhalb des Waldes.

Der erste Blick auf den Atlantik

Heute Morgen ist der Herbst angekommen. Als ich kurz vor 09.00Uhr heute Morgen aufgebrochen bin war kühl, feucht und neblig. Und ganz hell war es auch noch nicht. Bedenkt bitte, hier im Westen Spaniens liegen wir über 16Grad weiter westlich als Düsseldorf, da wir aber in der gleichen Zeitzone in Mitteleuropa leben sind die Tageslichtzeiten hier um gut eine Stunde verschoben. 

Beim ersten Blick von den Anhöhen aus auf den Atlantik lag dieser noch unter einer dichten Nebeldecke die sich erst nach Mittag langsam auflöste.

Der Blick auf den Atlantik sagte mir leider das mein Weg sich dem Ende nähert. Noch ein paar Buchten umlaufen, noch einen Bergrücken überschreiten und ich bin in Fisterre, morgen noch die letzten, kleinen 13km. Am Abend geht es dann noch hoch auf den Felsen vom Kap Formentor, noch einmal rund 3km.

Heute Nachmittag wurde meine Schritte immer schwerer und langsamer, obwohl der Weg heute garnicht so lang und der Weg auch nicht besonders anspruchsvoll war. Aber es geht auf das Ende zu, das Ende des Weges das man eigendlich nicht erreichen möchte. Das Ende erreichen heiẞt dieses schöne Land verlieren, die vielen Menschen verlieren die man unterwegs getroffen hat und deren Geschichte die man gehört hat und die man vermutlich niemals wiedersehen wird….einige vielleicht noch einmal morgen Abend zum Sonnenuntergang auf dem Felsen.

Den GoogleTranslater an seine Grenzen bringen

Doch dazu später.

Gleich nach meinem frühen Aufbruch nach Fenisterre, heute hatte ich rund 29km vor mir, es sind noch einmal vier Wandertage bis an mein Ziel, lief mir eine Gruppe Schottischer Jakobspilger über den Weg, traditionel gekleidet in Kilt im Clan-gerechten Tartankaro und mit Sporran, der vor dem Bauch getragenen Ledertasche.

Mich führte mein Weg in die von mir sehr geschätzte Herberge Alto da Pena, hier übernachte ich, trotz des langen Weges ab Santiago, schon zum dritten male. Hier sind die Abende immer etwas ganz besonderes wenn in großer Runde das Pilgermenue eingenommen wird. Meine Tischdame war Mei aus China, eine junge Chinesin aus dem Umland von Honkong. Jetzt kommt die Herausforderung an den Goggle-Translater, manches mal reichen die englischen Sprachkenntnisse einfach nicht aus, es wird einfach zu speziel. Sie ist begeisterte „Fernwanderin“ und war schon mehrfach in Europa, jetzt war es ihr zweiter Camino. Im schweizrich-französich-italienischen Alpengebiet hat sie schon längere Hochalpenwege begangen.

Zwei Tage vor Santiago, in Melide hatte ich eine Stehle mit asiatischen und europäischen Schriftzeichen Fotografiert. Hier konnte sie mir helfen. Japanische Schriftzeichen sind oft identisch mit Chinesisen Schriftzeichen, haben auch die gleiche Bedeutung, werden aber unterschiedlich ausgesprochen. Die Schriftzeichen auf dieser Stehle bezogen sich unter anderem auf den 88-Tempelweg in Japan, auch diesen war sie schon in Teilen gegangen. Ich hatte hier natürlich sogleich zu zwei Mitgliedern unsere Bruderschaft aus Düsseldorf Bezug die diesen Weg ebenfals schon gegangen sind.

11.10.2018….11.10.2026, so ein Zufall!

Es war am 11.10.2018 als ich nach fast 2700km und einer fast 30km Schlußetappe erschöpft und mit müden Füßen zum ersten mal in Santiago angekommen bin und dann noch zwei Stunden am Pilgerbüro schlangestehen mußte um meine Pilgerurkunde, die Compostela, zu erhalten.

Jetzt war es wieder ein 11.10. aber 2026 an dem ich nun zum vierten mal, aber diesmal nach nur 679km,  in Santiago angekommen bin.

Da es dieses mal von der letzten Unterkunft keine sechs Kilometer bis zur Kathedrale von Santiago waren konnten wir uns noch einen kleinen Umweg über das Gelände des Monte de Gozo erlauben. Das Gelände hat schon eine historische Bedeutung, hier kamen schon die frühen Pilger im Mittelalter an, sie reinigten Geist, Körper und auch ihre Kleidung um dann gesäubert in Santiago die Kathedrale zu besuchen und ihre Compostela in Empfang zu nehmen. Heute gibt es am Hang des Monte de Gozo die größte Pilgerherberge mit fast 1000 Schlafplätzen. Auf diesem Gelände fand im August 1989 der Weltjugendtag unter beisein des Papstes Johannes-Paul II. statt. Hieran erinnern heute noch einige Großkunstwerke und Schaubilder.

Hinein nach Santiago. Erst die nüchtern-moderne Vorstadt, dann werden die Häuser kleiner, die Straßen werden zu Gassen und unvermittelt stehe ich nun zum vierten male zwischen dem nördlichen Seitenschiff der Kathedrale und der kirchlichen Herberge. Schon die Annäherung ist immer wieder und auch jetzt wieder unglaublich emotional, wie auch früher schon habe ich beinahe Tränen in den Augen. Weiter geht es eine Treppe hinab durch einen Torbogen. Hier steht wie immer ein Dudelsackspieler der alte keltische Weisen interpretiert, leider schon seit Jahren auf dem falschen, dem schottischen, anstelle des hierhin gehörenden keltischen Dudelsack.

Hinter dem Torbogen öffnet sich der Vorplatz der Kathedrale und trotz des frühen Vormittages ist dieser schon gut gefüllt mit Ankömmligen aus aller Welt, die unentlich glücklich sind ihr Ziel erreicht zu haben. Allen steht ein strahlen im Gesicht. Zur Zeit müssen sich die Pilger den Platz allerdings mit einem Protestcamp teilen, seit Tagen schon wird hier Gezeltet um auf die Wohnungssituation in den Städten und auch hier in Santiago aufmerksam zu machen, ich berichtete bereits hierüber.

Jetzt muß ich aber keine zwei Stunden mehr schlangestehen. Aufgrund des neuen online Registrierungssystemes des Pilgerbüros erhalte ich meine Pilgerurkunde und auch den Streckennachweis (679km binnen vier Wochen ab Bilbao) in nur wenigen Minuten, direkt aus dem Drucker. Meine erste Pilgerurkunde von 2018 war noch ein Vordruck der dann handschriftlich und in Schönschrift ergänzt wurde.

Wieder konnte ich viele Menschen kennen lernen in diesen vier Wochen auf dem Weg von Bilbao bis Santiago, Menschen von allen Erdteilen dieser Welt. Mit manchen war es nur ein kurzes Gespräch, mit anderen ging man ein Stück des Weges gemeinsam, mit einigen verbrachte man Abende und ging einige Tage gemeinsam bis zu einem Abschied. So muß ich mich heute auch von meiner letzten, übrig gebliebenen Peregrina verabschieden die am Mittwoch ihre Heimreise antritt.

Egal wie kurz der Kontakt war, so war er oft sehr intensiv und allen Kontakte, allen Begleitern war eines gemeinsam, alle waren extrem weltoffene Menschen.

Mit meinem Schlußbericht, vermutlich erst nach meiner Heimkehr, werde ich noch über einige besondere Begegnungen schreiben.

Für mich ist der Weg noch nicht zu Ende, es stehen noch vier Wandertage an, 89,5km bis zum Kap Fenisterre, dem „Ende der Welt“, glaubten zumindest die alten Römer und noch viele Generationen nach ihnen.

…fast angekommen…

…statt zweier entspannter Kurzetappen von je 15km sind es doch 25km geworden und ich befinde mich direkt an der Stadtgrenze von Santiago. Der Ärztekongress in Santiago und dazu die 3250 Pilger von heute blockieren alle Unterkünfte bis in die weitere Umgebung. Mit viel Glück konnte ich noch ein Zimmer aus einem Storno ergattern.

Unser Pilgertrüppchen hat sich weitgehend verlaufen, einige haben wie schon berichtet in Lugo abgebrochen, andere haben den Pausentag nicht mitgemacht, der Rest hat sich bei der Unterkunftsuche verloren….

Ich habe mich eben online im Pilgerbüro registriert damit ich morgen meine Urkunde und den Streckennachweis erhalte.

Mal sehen wer sich morgen so alles wieder einfindet, am Pilgerbüro, auf dem Vorplatz der Kathedrale oder zur Pilgermesse am Abend, irgend wie läuft man sich dort immer über den Weg. 

Ich bin gespannt ob morgen mal wieder der Botafumeiro, der große Weihrauchkessel geschwenkt wird. 

Normalerweise wird dieser nur zu Festtagen oder besonderen Anlässen geschwenkt. Sollte sich ein Pilger finden der bereit ist 350,–€ zu spenden, das ist auch das ein besonderer Anlass.

Bei meinem letzten Besuch vor zweieinhalb Jahren war dieser Botafumeiro gerade Wartungszwecken abgebaut worden.

…nur noch vier Wandertage bis Santiago

Nach einem erholsamen Ruhetag in dieser interessanten Stadt Lugo gab es heute die letzte längere Tagesetappe, die kommenden Tage sind eher entspannte Kurzetappen.

Da einige Mitwanderer, die Etappenpilger,  ihren Camino für dieses Jahr beendet haben und hoffendlich im nächsten Jahr fortsetzen können, andere die in der Hoffnung noch am Samstag eine Unterkunft zufinden oder gar ihre ganze Strecke schon vorgebucht haben, keinen Pausentag eingelegt haben, verändert sich so langsam die Zusammensetzung unseres Trüppchens, neue Kontakte werden geknüpft.

Morgen werden wir Melide erreichen, dort stossen wir auf den Camino Frances, der Hauptrute der Pilger, der Pilger die von Saint Jean Piet de Port über die Pyrinäen gekommen sind. Ab Azua kommen die Jakobspilger hinzu die den Küstenweg und den Camino del Norte gegangen sind.

Leider kommen dann auch diese „Möchtegernpilger“ hinzu die ab Saria nur die letzten einhundert Kilometer mitlaufen um sich dann zu Hause mit einer Pilgerurkunde schmücken zu können.

Da wird es voll auf dem Camino vor Santiago, bei der Unterkunftslage wird es spannend, gut das ich für Melide und auch bereits für Santiago vorgesorgt habe.

Nur noch 73km.