Von Viellavisciosa bin ich abgebogen vom Camino de la Costa, zwei Zubringertage zum in Oviedo beginnenden Camino Primitivo. Auch diese zwei Tagesetappen sind bestens markiert, es ist fast nicht möglich sich zu verlaufen. Auf dieser Strecke von rund vierzig Kilometern gibt es nur eine Unterkunft für Jakobspilger, die Herberge von Pola de Siero. Hier musste ich tatsächlich mal wieder in einer der typischen Pilgerherbergen Quartier nehmen.
Es ist eine von der Gemeinde unterhaltene Wander- und Pilgerherbergen die durch die örtliche Jakobusbruderschsft betreut wird.
Das „Urgestein“ dieser Herberge ist Roberto, ein engagiertes Mitglied der örtlichen Jakobus Bruderschaft. Er begrüßte mich auf deutsch, Roberto arbeitete über dreißig Jahre bei Siemens in Dortmund als Elektrotechniker und meine Heimatstadt Ratingen wie auch Düsseldorf waren ihm wohlbekannt. Im Alter, nach seinem Ruhestand zog es ihn aber wieder zurück in seine Heimat, einem kleinen Ort bei Pola de Siero wo er sich jetzt, inzwischen fast achzigjährig, in der Jakobusbruderschaft engagiert und diese Herberge betreut. Er ist es auch der in dieser Region die Wegführung markiert. Ein mal im Jahr läßt er rund 1500 „gelbe Pfeile“ anfertigen die er dann selber klebt.
Ich erwähnte bereits das ich selber eher etwas kompfortablere Unterkünfte bevorzuge, aber manchesmal sind die Pilgerherbergen eben unumgänglich und auch wiederum ein besonderes Erlebnis.
Es gab zwei dieser sogenannten „Schnarchsääle“ mit je etwa 15 Schlafplätzen. Es war fast unerträglich. Dem einen war es zu kalt, er schließ alle Fenster, dem nächsten fehlte der Sauerstoff, er öffnete wieder alle Fenster. Die Bettgestelle, immer vier Betten standen auf einer vier Beinkonstruktion waren nicht sehr stabil, es gab einen etwas übergewichtigen Mittschläfer der des Nächtens öffters die Toilette aufsuchen mußte und sich dann anschließend schwungvoll in sein Bett warf was die gesamte Konstruktion ins Wanken brachte.
Die folgende Etappe führte mich dann zum eigendlichen Ausgangspunkt des „Camino Primitivo“, nach Oliviedo.
Hier in Oliviedo gab es leider Streß bei der Unterkunftsuche, die örtliche Fußballmanschaft hatte ein Heimspiel und es fand gerade der Jahreskongress der Spanischen Physioterapeuten statt, das verursachte meine teuerste Pilgerunterkunft des ganzen Weges.
Nach meinem ersten Tag auf dem Camino Primitivo habe ich heute Grado erreich, ein spanisches Städtchen wie man es sich nur vorstellen kann und dazu mit einer angenehmen Unterkunft.
Es ist das letzte Wochenende des September. Hier findet dann alljährlich das Festival der „Asturischen Trachten“ statt. Die Teilnehmer waren traditionell in Asturischen Trachten gekleidet, die besten und aufwendigsten Trachten wurden prämiert und gefeiert.

