Nicht das ihr glaubt das ich heute geschwächelt habe

Heute bin ich mit Absicht nur runde 22km gelaufen, denn ich habe Santillana del Mar erreicht. Auf meinem Camino vor 2 1/2 Jahren habe ich diesen Ort nur durchstreift weil ich nur wenige Kilometer vorher genächtigt hatte. Aber ich war phasziniert von diesem Örtchen, wenn gleich es auch ein Touristischer Hotspot ist.

Dieses mal hatte ich mir vorgenommen diesen Ort zu besuchen und hier zu nächtigen.

Ein warhaft pittoresker Ort, man könnte glauben der gesammte Ort stehe unter Denkmalschutz oder ist ein Museum.

Die Hotels, Bars und Restaurants verfügen über Schätze an alten massivholz Möbeln. Jetzt denkt aber bitte nicht an die rustikal-spanischen Möbel wie ihr sie vielleicht aus spanischen Ferienwohnungen kennt, es waren überwiegend hochwertige, fachgerecht restaurierte Jugendstil und Biedermeiermöbel. Ein Restaurand verfügte über eine eigene Uhrenausstellung mit hochwertigen Wanduhren.

Aber jetzt noch einmal zum Thema Wegführung. Ich hatte es schon gestern angedeutet. Selbst die Smartphone-Apps kommen bei den laufenden Wegänderungen nicht mehr nach, heute war mein Jakobsweg zweimal gesperrt wegen Bauarbeiten, es waren nicht unerhebliche Umwege erforderlich. Printmedien haben da erst recht keine Möglichkeit nach zu kommen.

Wenn ich mir die Mayersche- oder die Droste- oder auch Thalia-Buchhandlung ansehe, finde ich heute maximal einen knappen Meter an Pilgerführern, vor ein paar Jahren noch waren es noch ein gut gefülltes Regal.

Dafür sehe ich heute ständig Pilger auf dem Weg die die ganze Zeit gebannt auf ihr Smartphon schauen.

In diesem zusammenhang fällt mir eine Gemeinsamkeit zwischen Jakobspilgern und Motorradfahrern auf. Ich selber fahre seit über 50 Jahren Motorrad. Es gehörte sich bei entgegenkommenden Motorradfahren zu grüßen (DLZG…die Linke zum Gruß war die Devise). Heute vermisse ich diese Geste bei den meisten Motorradfahrern, aber genau das muß ich leider auch auf dem Camino feststellen. Der Gruß „Buen Camino“ wird oft nicht erwiedert, oder es folgt vielleicht ein gemurmeltes „Olla“, das spanische Hallo, manches mal habe ich auch den Eindruck ich schaue in „Die Toten Augen von London“ um es mit Edgar Walles zu formulieren.

Die Umgangsformen und Rituale des Weges geraten immer mehr zur Nebensache.